Bücher

Hildegard Schaufelberger 2006 bei Verlag "Books On Demand", Norderstedt

Mein Kleid so rot

Ein Leben in Geschichten und Gedichten

Die Autorin hat blitzlichtartig einzelne Szenen aus ihrem Leben beleuchtet und sie als Kurzgeschichten gestaltet. So ist jede für sich ein Kleinod mit einer Pointe oder einem einprägsamen Symbolbild. Dabei steht die Dokumentation der Zeitgeschichte neben der verändernden und verzaubernden Kraft der Erinnerung. Leser werden sich darin wiederfinden, ältere und jüngere, vor allem in den inneren Prozessen, die hinter jeder dieser Geschichten aufscheinen. Eine Fülle von Namen taucht auf, die dieses Leben geprägt und begleitet haben, bekannte, unbekannte und solche, die aus Diskretion verschlüsselt wurden.

Die Wellen, welche diese prägenden Ereignisse ihres Lebens geschlagen haben, werden erst so recht deutlich auf der zweiten Ebene dieses Buches, nämlich der lyrischen. Jedes der eingestreuten Gedichte ergänzt und vertieft den vorangegangenen Text. So ist ein Ganzes entstanden, das sich zum spontanen Auswählen einzelner Episoden anbietet. Besser aber noch zum chronologisch fortlaufenden Lesen der kurzen Geschichten, so wie das Leben sie geschenkt hat.


Textbeispiel:

Mein Kleid so rot

1946. Wir krochen aus den Trümmern hervor und schüttelten uns. Und schon wollten wir wieder hübsch aussehen. Hübsche Kleider anhaben. So war das deutschlandweit. Nicht umsonst hatten die in diesem Jahr herausgegebenen Schnittmusterbogen in Aenne Burdas „Burda Moden“ solch einen guten Start. Denn: Wie macht man sich hübsch 1946? Man näht sich Kleider. Zwar gab es noch keine Stoffe. Aber die Frauen waren findig. Es gab ja noch Vorhänge an den Fenstern daheim, nutzlos gewordene Fahnen und Uniformen.

Die Schule hatte für uns Fünfzehnjährige noch nicht wieder begonnen. In der Hansjakobstraße gab es uns gegenüber das Schwesternhaus St. Carolus mit einer Nähstation. Da waltete Sr. Consolatrix. Dorthin nun ging ich mit einer Freundin. In einer Schlange stand man vor dem Nähtisch der Schwester und wartete, bis sie einem den mitgebrachten Stoff zuschnitt und in den verschiedenen Arbeitsgängen weiterhalf. Immer blieb sie freundlich und geduldig. Die Frauen und Mädchen nähten für sich selbst, für ihre Kinder oder Geschwister. Noch der letzte Fetzen Stoff wurde unter der kundigen Hand der Schwester zu einem kleidsamen Stück. Unsere Zwillinge, 12 Jahre alt, bekamen jede einen fahnenroten Pyjama. Mit einem Hakenkreuz auf dem unschuldigen Po. Einmal, als ich gerade weiße Schürzen nähte für einen ins Auge gefassten Krankenschwesternkurs, kam ein anderes junges Mädchen auf mich zu und vertraute mir an, dass sie in den Orden der Schönstattschwestern eintreten werde. Und ob ich auch ...? Nein, ich nicht.

Bei uns zu Hause gab es noch den Uniformmantel meines Vaters. Er hatte ihn getragen bei seinem tödlichen Unfall in Frankfurt. Befleckt mit seinem Blut, hatte sich noch niemand bisher getraut ihn fortzuwerfen. Jetzt wurde auch er dem großen Näheifer zugeführt. Er kam in die Reinigung und dann wie neu unter die milde Hand von Sr. Consolatrix. Schnipp und Schnapp wurde daraus ein Rock für mich, dazu ein Jäckchen. Ich trug es lange mit Stolz. Ein kleines Stück Auferstehung, ein Stück Weiterleben nach dem Tod.

Sr. Consolatrix ging dann irgendwann dahin. In der Anonymität einer Ordensfrau. Die Jahre schluckten ihre kleine Person. So wie auch Sr. Goswina von der Schwesterngemeinschaft irgendwann dahinging, die Leiterin der Station. Und Sr. Kostka, die Krankenschwester. Man könnte noch ihr Grab finden. Bei all den Schwesterngräbern neben dem Mutterhaus, aufgereiht wie eine Armee von Soldaten beim Appell.


Hildegard Schaufelberger

Märchenkunde für Erzieher

Grundwissen im Umgang mit Märchen

Freiburg, Verlag Herder 1. Auflage 1987, 8.Auflage 1999

Anmerkung:

Das Buch ist im Handel nicht mehr erhältlich. Nachfrage besteht jedoch weiterhin. Die Autorin verfügt noch über einige wenige Exemplare, die für 12 € bei ihr erworben werden können (Vorkasse, inkl. Porto und Versand). Eine e-book-Version ist z.Zt. in Arbeit.

Anfragen bitte an Gabriel M. Schaufelberger (ancom@online.de)

Vorwort

Zum Lesen dieses Buches, das sich vorwiegend an Erzieher richtet, sind auch alle eingeladen, die einen konzentrierten Überblick bekommen wollen über das Phänomen Märchen: Das Märchen als Objekt verschiedener Wissenschaften, der Pädagogik und einfach der Freude. DasVolksmärchen ist in unserer Zeit hochaktuell, nicht nur für Kinder. Auch die Erwachsenen haben es sich zurückerobert.

Weil mir aus meiner vielseitigen Tätigkeit mit dem Märchen beim Schreiben auch immer vielerlei Menschen mit vielerlei Interessen vor dem inneren Auge standen, ist das Buch mir zu einer Art Lesebuch geraten. Verstehen Sie ruhig: Schmökerbuch. Natürlich lag mir ein didaktischer Aufbau am Herzen, bei dem sich eins aus dem andern entwickelt. Aber man kann sich durchaus auch einzelne Kapitel herauspicken, die dem einen oder anderen besonders interessant zu sein versprechen. Gerade für solche Leser habe ich aus dem Gerüst des Aufbaus in späteren Kapiteln Wichtigstes noch einmal angetippt. Sagen Sie nicht: „Ich will ja Märchen nur erzählen. Das kann ich viel besser unbelastet von verkopftem Humbug“. Das stimmt nicht. Wir besitzen sie nicht mehr, die Weisheit der Weltzusammenhänge, die sich in guten Volksmärchen ausdrückt. Wir müssen sie wiedergewinnen. Vielleicht hilft dies Buch ein wenig dazu.

Übrigens: Eine Verengung soll sie nicht bedeuten, die bevorzugte Konzentration auf Märchen der Brüder Grimm. Wir sollen uns alle wohlfühlen auf vertrautem Boden. Das war meine Absicht. - Und zum Schluß zur verwendeten Literatur: Zur Zeit ist eine solche Fülle Sekundärliteratur auf dem Markt, daß nur noch Aschenputtel ihr gewachsen wäre. Ich habe daher versucht, das für Sie Wichtigste und Interessanteste auszuwerten und darzustellen. Sie finden die Titel im Text und im Anhang. So können Sie  das eine oder andere Thema noch durch zusätzliche Literatur vertiefen.

 

Inhaltsverzeichnis

mit Unterkapiteln

1. Wie das Märchen zum Kindermärchen wurde

Mythos und Märchen

Entwicklung des Märchens

Die Brüder Grimm

Weitere Sammeltätigkeit und Neuschöpfungen im 19. Jh.

Es gibt drei Märchenarten

2. Märchenerzähler und Erzählgemeinschaften

Aktualität des Märchenerzählens

Das Erzählen vor etwa hundert Jahren

Märchensammeln heute

Über die Wiederbelebung des mündlichen Erzählens

Die Europäische Märchengesellschaft

Heutige Erzählerpersönlichkeiten

3. Merkmale, an denen man das Märchen erkennt

4. Wie lebensnah ist  das Märchen?

Das Märchen und die Wirklichkeit

Die Grausamkeit im Märchen

Das Kind erfährt die Welt

Die Familie im Märchen

 5. Interpretationen von Märchen

Als Beispiel:  Rumpelstilzchen

Psychologische Interpretationen

Exkurs: Von dem Fischer un syner Fru

 6. Das Märchen und die Pädagogik

„Kinder brauchen Märchen“

Märchen als Kinderliteratur

Märchen erzählen

Anklagepunkte gegen das Märchen

Das Böse im Märchen

Die Grausamkeit, pädagogisch gesehen

Kann das Märchen bei der Lebensbewältigung helfen?

7. Märchen aus religionspädagogischer Sicht

Aktuelle Fragen zum Thema

Die allegorische Auslegung

Märchen als Propädeutik des Glaubens

Das Bild des Menschen im Märchen

8. Spurensicherung eines Märchens

Rotkäppchens Verwandlungen

9. Märchenformen des 20. Jahrhunderts

Die Forschung

Neue Formen des Kunstmärchens

Aktualisierungsformen des Märchens

10. Märchen auf Schallplatten

Grundsätzliches

Märchen auf Kassetten

Darbietungsformen

Form- und Stilmerkmale des Märchens und wie sie sich auf der Kassette verändern können

Märchenkassette: Erfahrungen mit Erziehern

Pädagogik der Märchenkassette

Neuere Versuche

11. Das Kindermärchen von und für heute

Das „Märchenalter“

Pädagogische Märchensammlungen

Neuere Kunstmärchen

Neue Einflüsse auf das Märchen

Nochmals: Märchenillustrationen


Textbeispiel:

Die Bilder des Märchens

Kinder haben ein ganz ursprüngliches Verhältnis zu der Bilderwelt der Märchen

Zum Verständnis der ersten einfachen Geschichten sollten sie allerdings bereits über einen gewissen Bestand an inneren Bildern verfügen. Die Anzahl solcher innerer Bilder wächst mit der Erweiterung der kindlichen Umwelt. Das Märchen muß vorerst die individuellen Vorstellungen des Kindes ansprechen, um es zu erreichen. Erst mit fortschreitender Phantasieentwicklung kann das Kind weiter ausgreifen und der speziellen Phantasie eines Autors folgen.

Max Lüthi widmet dem Thema der Bilder des Märchens ein ganzes Kapitel seines Büchleins „So leben sie noch heute“(Vandenhoek & Ruprecht, Göttingen). Er spricht von steuernden Bildern, die allemal schön und strahlend sind und Leitfunktionen haben, und wie ein Versprechen sind, daß nie und nimmer Böses geschehen kann. Aber das Märchen zeigt auch die Gefährdung höchster Werte in Bildern etwa des kranken Königs, dem nur noch das Wasser des Lebens helfen kann, oder im Drachentötermärchen. Diese Bilder sagen: Das Schöne, Edle, ist nicht zufällig, sondern seinem Wesen nach bedroht. Das Gegnerische braucht nicht unbedingt vernichtet werden. Es kann auch verwandelt werden.  Wenn man sich richtig verhält, werden Gegner zu Helfern - auch diese Weisheit ist in den Märchen zu finden. Wir sprachen schon von den Zwei-Brüder-Märchen, wo die Tiere schließlich halfen, nur weil die Brüder sie verschont hatten. In einem anderen Märchen bittet der Wolf den Helden, er solle ihm, statt ihn zu jagen, einen schmerzenden Dorn aus der Pfote ziehen. Und wie der Wolf sich erkenntlich zeigt!

Doppelgesichtig ist das schreckliche Tier, das sich in den Tierbräutigam-Märchen als herrlicher Prinz entpuppt. Oder umgekehrt die schöne Rätselprinzessin, die in Wirklichkeit unerbittlich und gefährlich ist wie die im „Meerhäschen“. Doppelgesichtig ist auch der Wald, in dem man sich verirren, aber auch bergen kann (Die drei Männlein im Walde). Auch Schlösser sind Orte des Glanzes und der Gefährdung. Die Bilder des Märchens - so Lüthi weiter - sind Nahrung der Seele, vor allem der kindlichen. Sie heben die Dinge aus der unübersichtlichen Wirklichkeit herauf und machen sie sichtbar.

Auch Felicitas Betz mißt den Bildern der Märchen eine fundamentale Bedeutung zu. Wir sprachen schon von ihren Imaginationsübungen für Erwachsene, denen die Bilder nicht mehr ursprünglich gegenwärtig sind. Sie dienen zur Vorarbeit des Erziehers beim Märchenerzählen. Frau Betz empfiehlt, sich dabei die wichtigsten Bilder des jeweiligen Märchens herauszusuchen und auf sich wirken zu lassen, etwa Wald, Brunnen, Tür. Man müsse sich einmal einlassen - meint sie - auf diese Bilder des Märchens, sie quasi meditieren. Es sei  erstaunlich wohltuend, wie das die Gefühls- und Erlebniskräfte anregt und viel abstrakt-vertrocknetes Denken wieder frisch und lebendig macht. Wenn man das eine zeitlang geübt habe, werde man Lust bekommen, auch in den Kindern diese Bilder zu beleben - soweit das nötig ist.


 

Hildegard Schaufelberger

Alte und neue Bräuche im Kinderalltag

Grundwissen und Anregungen für Erzieherinnen

Freiburg, Verlag Herder 1993

Vorwort

Dieses Buch möchte Erzieherinnen im Kindergarten und Eltern mit einigen Bräuchen vertraut machen, damit sie weitergegeben werden können an die Kinder. Diese Bräuche wurden zusammengestellt aus solchen, die es für Kinder schon gibt, aus solchen, die man leicht für sie einführen kann und solchen, die sich im Laufe der Zeit vom Erwachsenen wegentwickelt haben zum Kind.

Über die Darstellung der einzelnen Bräuche hinaus habe ich aber auch versucht, etwas beizutragen zum Brauchverständnis. Denn - wie sollen wir einen Brauch einführen, durchführen, wenn wir nur seinen Ablauf kennen, aber nichts wissen von den Menschen, die hinter ihm stehen, die ihn haben zustandekommen lassen, unter deren Hand er sich veränderte, starb, erneuerte. Erst wenn die Erzieherin von solchen Beweggründen etwas weiß, kann sie einen Brauch gezielt einsetzen, ihm gerecht werden. kann sie ihn lebendig weitervermitteln an Kinder. So bemüht sich dieses Buch, Zusammenhänge deutlich zu machen, Brücken zu schlagen zwischen Generationen.

Warum machen wir uns eigentlich die Mühe, Bräuche an Kinder heranzutragen? Zur Traditionspflege? Zur Kulturpflege? Es ist viel mehr. Kinder mögen Bräuche. Warum im einzelnen, das steht ausführlich im Kapitel „Kind und Brauch“. Hier nur so viel: Kinder lieben es über die Maßen zu feiern. Kinder lieben das Bild- und Szenenhafte der Bräuche, sie lieben das gemeinsame festliche Tun. Und sie lieben die Zuverlässigkeit der jährlichen Wiederholung. Kinder sind neugierig. Aber - sie können sich der Bräuche nicht selbst bemächtigen. Dafür brauchen sie uns.

Dieses Buch wäre nicht lebensnah genug zustandegekommen, wenn mir nicht Material aus der Praxis der Erzieherinnen zur Verfügung gestellt worden wäre. Neue Bräuche, die man bei Kindern eingeführt hat,alte, die man speziell für sie wieder hat aufleben lassen.

 

Inhaltsverzeichnis

mit Unterkapiteln

1. Kind und Brauch

Wie kommt der Brauch zum Kind?

Was Kindern an den Bräuchen gefällt

Erzieher und Brauchtum

2. Alte Bräuche neu

Einleitung: Bräuche wandeln sich

Tellersaat

Gebildbrote

Lucia

Der Bohnenkönig

Baumtag

3. Bräuche für heute und morgen

Einleitung: Wie kommt es  zu Kunstbräuchen?

Der Weihnachtsmann

Wichteln

Muttertag

Sankt Elisabeth

4. Brauchtradition

Einleitung: Über die Bedeutung der Wiederholung

Palmbuschen

Sankt Martin

Frühlingsbräuche

Kräuterbuschentag

Osterhase und Osterei

Johannistag

5. Da mach ich mir Luft!

Einleitung: Bräuche mit Ventilfunktion

April - April!

Fastnacht

Tag der Unschuldigen Kinder

Walpurgisnacht

Silvester

6. Bräuche, selbergemacht

Einleitung: Vom Mut, eine neue Tadition zu beginnen

Oma-Nachmittag

Weihnacht der Tiere

Kindergeburtstag

Stockwerkfeste

Weihnachtsbäumchen auf den Gräbern

7. Vergessene Bräuche

Einleitung: Bräuche, die sich überlebt haben

Erntebräuche

Spinat am Gründonnerstag

Frauentragen

Christi Himmelfahrt

8.Bräuche mit pädagogischen Hintergrund

Einleitung: Bräuche, die sich Erzieher nutzbar machten

Die Schultüte

Adventsbräuche

Nikolaus

Votive

Der Früchtebaum

9. Kinder sind voller Fragen

Einleitung: Etwas über brauchtümliche Symbole

Der Hahn auf dem Kirchturm

Die Glocken fliegen nach Rom

Pfingstochse

Der große schwarze Vogel

Das Herz

 

 

Textbeispiel:

(Zeichnung: Benedikt Schaufelberger)

Palmbuschen

Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche, eine Zeit, wo jeder Tag sich wie eine Szene aus einem großen frommen Volksschauspiel ausmacht. Am Palmsonntag wird Christus noch einmal triumphal als König gefeiert. Das fromme Volk ahmt seinen Einzug in Jerusalem nach in einer großen Prozession. Dem liegt folgender Bibeltext zugrunde:

Sie brachten das Füllen (der Eselin) zu Jesus, legten ihre Kleider darüber, und er setzte sich darauf. Viele breiteten ihre Kleider auf den Weg, andere grünes Gezweig, das sie sich abgeschnitten von den Feldern, und die Vorangehenden wie die Nachfolgenden riefen: „Hosanna! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn (Markus 11, 7-10)

Um dem biblischen Bild recht nahe zu kommen, tragen die Gläubigen bei der Prozession des Palmsonntag Zweige in den Händen. Nach der Überlieferung waren dies Palmen und Ölzweige, beide von tiefer symbolischer Bedeutung. Die Palme gilt als Symbol des Königtums, weist aber auch schon auf Christi Tod hin als Zeichen der Martyrer, welche Sieger blieben über den Tod. Der Ölzweig ist seit dem Urbild der Arche Noah ein Symbol des Friedens. Oft wurde in diesen Prozessionen in Nachahmung des biblischen Textes auch ein hölzerner Palmesel mitgezogen.

Nun aber gibt es hierzulande keine Palmen und keine Ölzweige. So werden sie durch andere Zweige ersetzt, was eben so in den einzelnen Landschaften wächst.: Buchsbaum, Wacholder, Kätzchen, Tanne, Haselzweige, Stechpalme .Eigentlich sind alle Zweige und Knospen, die diese frühe Jahreszeit hervorbringt, möglich. Der biblische Text erlaubt es, und zudem gilt seit der Antike jeder grüne Zweig als Symbol des Wachstums und des Sieges. Vor der Prozession werden all diese „Palmen“ gesegnet.

Aber auch dabei ist es nicht geblieben. Vor allem bei den Kindern sind aus den Palmen im Laufe der Zeit ganze „Palmbuschen“ geworden. Woraus diese sich zusammensetzen und wie groß sie sind, das hängt von der Tradition eines Ortes,von seiner Vegetation, und nicht zuletzt von Kunstfertigkeit und Phantasie ab. Schon eine Weile zuvor setzen sich die Erwachsenen und die Kinder in Kindergarten, Schule oder Familie zusammen und bereiten die Palmbuschen vor.

Diese Palmbuschen können klein sein, einfache Handsträuße, bei denen auf einen Haselstock ein Palmsträußlein aufgesteckt wurde, das man mit bunten Bändern geschmückt hat, einem bunten Ei oder einem der christlichen Symbole. Dann gibt es noch die ganz großen Palmbuschen, wahre Schaugebilde, mit denen die Kinder dann untereinander wetteifern. Sie sind (landschaftlich unterschiedlich) prächtig geschmückt mit ausgeblasenen Eiern, Früchten, Gebildbroten, roten Beeren, mancherorts gar mit Würsten, bunten Bändern, Kreuzen, roten Äpfeln, Herzen, Goldflitter, Spanlocken und was noch alles üblich und prächtig ist.

Nach der Messe werden diese Palmen dann sehr sorgfältig weiterverwendet, sind sie doch geweiht, und dieser Segen soll vielen und vielem zuteil werden. Die Zweige können nun hinter das Hauskreuz oder hinter ein Hei.ligenbild gesteckt werden, über der Haustür befestigt oder im Stall aufgehängt. Die Handsträußlein werden von den Kindern zu Nachbarn gebracht, zu Paten, zu Kranken oder auf die Gräber der Toten. Die hohen Palmbuschen stehen am Ende vor dem Haus, auf dem Hof oder an anderen Orten, wo sie zur Geltung kommen.

Gerade in Kindergärten wird dieser schöne Brauch gepflegt. Ehe ,man ihn einführt, sollte man sich erkundigen, ob es eine örtliche Palmen-Tradition gibt, an die man anknüpfen kann.


 

Hildegard Schaufelberger

Kinder- und Jugendliteratur heute

Themen, Trends und Perspektiven

Freiburg, Verlag Herder 1990

 

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